Archiv für November 2009

5000 gegen die HRK

Heute demonstrierten in Leipzig etwa 5000 Schüler und Studierende gegen die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die dort stattfand. Darunter waren auch 50 Menschen aus Jena.

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Gedanken zum Bildungsstreik 2

„Bildungsstreik“ – bislang war das für mich ein extrem positiv
besetzter Begriff. Die Proteste und Besetzungen im Sommer haben eine
Debatte losgetreten, die wohl ansonsten weiterhin stumm geblieben
wäre. Der Bildungsbegriff ist wieder Gegenstand einer öffentlichen
Diskussion, die Misere wurde erkannt und von verschiedenen Seiten
konstatiert. Dies allein wäre Grund genug für mich, positive Dinge
mit dem Begriff des „Bildungsstreiks“ zu assoziieren.
Seit Dienstag, seit der neuerlichen Besetzung der Carl-Zeiss-Straße 3
allerdings haben sich meine Assoziationen grundlegend gewandelt.
Hatte ich die Demonstration noch positiv wahrgenommen, taumele ich
seitdem von einer Kritik in die andere. Das tut mir weh – zu wichtig
ist mir das Anliegen – und wirft die Frage nach dem Warum auf.
Diese konnte ich für mich auch nur annähernd beantworten, indem ich
mir grundsätzlich die Frage gestellt habe: Was wird denn da wie und
warum aus welcher Position heraus kritisiert? Geht es wirklich darum,
eine Alternative zu der gegenwärtigen (Aus-)“Bildungs“logik zu
erarbeiten und zu leben? Oder schmort da nicht vielmehr eine so
genannte Kritik im Saft eben jener Logik, die das hervorbrachte, was
eigentlich kritisiert werden soll?
Ich meine Letzteres. Da werden unreflektiert Mechanismen und
Strukturen übernommen, die eigentlich Teil des zu Kritisierenden
sind. Kritik wird zum inzestuösen Herumkritisieren an Symptomen, die
von einer bestimmten Logik hervorgebracht wurden, an den logischen
Konsequenzen eines spezifischen Gesellschaftsverständnisses, ohne
dass dieses aber selbst in die Kritik miteinbezogen würde.
Grundlegende Kritik wird hier ersetzt durch eindimensionales
Herummäkeln, ohne eine gelebte Alternative anzubieten. Geführt wird
ein bloßer Verteilungskampf um möglichst gute Ausbildungsbedingungen
(ergo: Karrierechancen). Nicht nur, dass bestimmte Dinge nicht
kritisiert werden, nein, auf Kategorien der Effizienz, der Zeit, des
Wettbewerbs fußende Argumente werden sogar bewusst eingesetzt und
angestrebt. Das basisdemokratische Ideal des Konsenses muss aus
Gründen der Zeiteffizienz dem Mehrheitsentscheid weichen. Mit dem
Argument der angeblichen Sprachästhetik wird sich der Genderdebatte
entledigt. Eine dem gesellschaftlichen „Normal“fall zuwiderlaufende
Kommunikationskultur wird gar nicht erst angestrebt, so dass die als
Plena konzipierten Treffen zu „Parlamenten“ im „besten“ Sinne werden:
zu von sprachlichen Hahnenkämpfen geprägten, latent aggressiven
„Laberbuden“. Alle Diskussionen, die nicht unmittelbar
„zielführend“ (nicht dass man dieses Ziel jemals diskutiert hätte)
erscheinen, werden kurzerhand in Arbeitskreise oder bestehende
Gremien ausgelagert, schließlich geht es doch um Zeiteffizienz.
Auslagern, Outsourcing? Ein Schelm, wer bei diesen Begriffen Böses
über die dahinter stehende Logik denkt! Die davon tangierte
Grundfrage wäre natürlich nicht zielführend, wird also nicht
gestellt: wollen wir hochspezialisierte, „effektive“ Kleinteile oder
einen gemeinschaftlichen Prozess? Mit Schillers Worten – schließlich
immerhin Namenspatron unserer Universität – gesagt: weiter am Zahnrad
drehen oder der menschlichen Polypennatur gerecht werden?
Kurzum, ich habe das Gefühl, in dieser teilweise medial
fremdbestimmten beziehungsweise
-ausgelösten Aktion wird letztlich ein System von seinen eigenen
Kindern, nach seinen eigenen Regeln gefressen. Kritik läuft nach den
gleichen Gesetzen ab, wie das zu Kritisierende, und schafft es nicht,
Alternativen vorzuleben.
Denn es kann nicht allein darum gehen, nur zu fordern, es muss auch
versucht werden, etwas Alternatives auszuprobieren. Wo sonst sollte
dies möglich sein, wenn nicht in einem solchen Rahmen?
Bildungskritik ist wie jegliche Kritik an einer Erscheinung unserer
Gesellschaft zugleich immer auch zwangsläufig Gesellschaftskritik!
Ansonsten wird sie zur Totgeburt. Gesellschaftskritik bedeutet
schlichtweg, zu fragen, in was für einer Gesellschaft wir leben
wollen. Dies ist eine prinzipiell offene Frage, die jenseits von
selbst auferlegtem oder fremdbestimmten Zeitdruck diskutiert werden
muss!

Vom Happening zur Pflichtveranstaltung

Eine Polemik gegen die aktuelle Besetzung der FSU Jena

Am Dienstagabend besetzten mehrere Dutzend Studierende den Hörsaal 1 der Universität Jena. Später wurde sich für den Umzug in die Hörsäle 4 und 5 entschieden. Bereits hier machte sich bemerkbar, dass es mit einer basisdemokratischen Einstellung bei den Wortführern der Besetzung nicht allzu weit her ist. Entscheidungen wurden nach dem Mehrheitsprinzip gefällt, was jeglicher emanzipatorischer Bewegung entgegen steht.
Im weiteren Verlauf der Besetzung zeigte sich, dass es einigen Teilnehmern wohl mehr darum geht, sich selbst zu profilieren, anstatt eine inhaltliche Debatte anzustoßen. Im Plenum wurden Wortmeldungen ignoriert, es herrschte fast durchweg eine aggresive Rhetorik vor und Meinungen, die nicht ins Bild passten, wurde mit Gelächter quittiert. Beim Verweis auf eine Gender-neutrale Formulierung der Pressemitteilung wurde recht aggressiv dagegen vorgegangen. Scheinbar halten es die Besetzer nicht für nötig Herrschaftsstrukturen zu hinterfragen. Viel schlimmer, sie bedienen sich der selben Mechanismen, die eigentlich kritisiert werden, nämlich undemokratische Entscheidungsfindungen und hierarchisches Verhalten untereinander. Statt offen auf Ängste und Probleme von Verunsicherten einzugehen, wird mehr Produktivität und Effizienz beim Ausarbeiten der Positionen gefordert – um die Unileitung zu befriedigen.
Die Besetzer sind inzwischen von offensichtlicher Überforderung mit der Lage zu einem autoritären Haufen verkommen, der weit hinter den selbst gesteckten Forderungen zurück bleibt. Statt die Verantwortlichen der Bildungsmisere unter Druck zu setzten, wird sich an allen Ecken und Enden angebiedert und jegliche Kritik am Vorgehen aggressiv unterdrückt.


PS: Dieser Artikel spiegelt ausschließlich die Meinung des Autoren wieder.

Polizeieinsatz in der Uni

Heute Abend (18.11.09) gegen 22 Uhr kam es in der Uni zu einem völlig überzogenen Polizeieinsatz, bei dem die Personalien von mehreren Menschen aufgenommen wurden und eine Person kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurde.
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Wessen Uni? Unsere Uni!

Heute, am 17.11.09, demonstrierten in Jena 1500 Menschen für ein besseres Bildungssystem. Anlass war der Bildungsstreik, in dessen Rahmen in ganz Deutschland zu Demonstrationen aufgerufen wurde.
Zwar blieb die Zahl der Teilnehmer hinter der Demo im Juni zurück, dennoch konnte ein kraftvolles Zeichen gesetzt werden.
Streikdemo 17.11.09

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